Es war weit nach Mitternacht, als ich auf einem ruhigen, verlassenen Straßenabschnitt fuhr und mir in der Nähe eines flachen Grabens etwas Ungewöhnliches auffiel. Im Scheinwerferlicht sah ich eine Frau, die barfuß, in einen dünnen Morgenmantel gehüllt, auf dem Boden saß und so heftig zitterte, dass sie jeden Moment zusammenzubrechen schien.

Ich bremste ab und stieg aus. Sobald sie mich sah, zuckte sie zusammen und versuchte zurückzuweichen.

„Bitte … tun Sie mir nichts!“, schrie sie.

Dann sagte sie etwas, das mir sofort das Herz zusammenschnürte:

„Mein Mann und seine Mutter haben mir das angetan.“

Ich öffnete die Beifahrertür und bedeutete ihr sanft, näher zu kommen. „Wir bringen Sie an einen warmen Ort“, sagte ich leise.

Sie zögerte, stieg dann aber ins Auto. Kurz darauf traf ein Krankenwagen ein. Die Sanitäter untersuchten sie kurz, bevor wir ins nächste Krankenhaus fuhren.

Als die Ärzte sie fragten, was los sei, konnte sie kaum sprechen.

Eine Krankenschwester hüllte sie in eine Decke und sagte leise: „Sie sind jetzt in Sicherheit. Versuchen Sie, sich auszuruhen.“

Doch irgendetwas an der Situation ließ mich nicht los.

Zurück auf der Wache führte ich eine Hintergrundüberprüfung durch und bat einen befreundeten Kriminalbeamten, ihre Finanzen zu prüfen.

Am Abend rief mich Linda an, ihre Stimme klang besorgt.

„Ich habe etwas online gefunden“, sagte sie. „Susans Social-Media-Profile … sind voll von Beiträgen, die wie Hilferufe klingen.“

Sie waren frisch. Verzweifelt. Es war klar, dass sie schon lange unter Druck stand.

Ich kontaktierte Susans Freunde. Eine von ihnen, Emily, sagte mir: „Sie war sehr verschwiegen, was ihr Geld anging. Und sie stand ständig unter Druck – besonders von Franks Mutter.“

Ich setzte mich mit Detective Harris zusammen und erklärte ihm alles.

Wir beschlossen, das Haus zu besuchen.

Frank und Mrs. Jenkins begrüßten uns mit einem Lächeln, das etwas gezwungen wirkte. Das Haus wirkte perfekt – ordentlich, gemütlich, fast wie aus einem Theaterstück.

Irgendetwas wurde ganz offensichtlich verheimlicht.

Später erzählte mir Susan endlich die Wahrheit.

„Sie haben mich unter Drogen gesetzt“, sagte sie leise. „Und mich am Straßenrand zurückgelassen.“

Wir handelten schnell. Es wurde Anzeige erstattet und eine umfassende Untersuchung eingeleitet. Detective Harris veranlasste eine Hausdurchsuchung.

Wir fanden genug Beweismaterial, um forensische Experten hinzuzuziehen.

Die Laborergebnisse trafen bald ein. Sie bestätigten, dass Susan unter Drogen gesetzt worden war.

Als Frank mit den Beweisen konfrontiert wurde, gestand er schließlich.

Kurz darauf begann auch Mrs. Jenkins zu kooperieren.

Der Fall endete mit einem Schuldspruch. Gerechtigkeit war geschehen.

Doch der wahre Sieg lag nicht im Gerichtssaal. Erst dann bekam Susan ihr Leben zurück.