Spezialisten des Nationalen Instituts für Gastroenterologie in Italien haben die weit verbreitete Annahme widerlegt, Geflügel sei grundsätzlich gesünder als rotes Fleisch. Nach der Analyse von Daten von fast 5.000 Einwohnern der südlichen Regionen Italiens stellten Wissenschaftler fest, dass Teilnehmer, die über einen Beobachtungszeitraum von 19 Jahren mehr als 300 Gramm Geflügel pro Woche konsumierten, ein um 27 % höheres Sterberisiko hatten als diejenigen, die ihren Konsum auf unter 100 Gramm beschränkten. Magen-Darm-Krebs war eine häufige Todesursache. Die Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Nutrients“ veröffentlicht.
Männer erwiesen sich als besonders gefährdet: Bei ihnen zeigte sich der Zusammenhang zwischen dem Konsum von Geflügel (vorwiegend Hühnchen) und der Sterblichkeit bereits vor dem 60. Lebensjahr. Das durchschnittliche Sterbealter lag bei 81 Jahren. Die Studienautoren betonten, dass der regelmäßige Verzehr von mehr als 100 Gramm Geflügel pro Woche mit einer erhöhten Gesamtsterblichkeit, einschließlich der Sterblichkeit durch Magen-Darm-Krebs, einhergeht. Darüber hinaus stieg das Risiko mit der Portionsgröße und war laut den Forschern höher als bei vergleichbaren Mengen an rotem Fleisch.
Es zeigte sich auch, dass die 108 Teilnehmer, die an Magen-Darm-Krebs starben, den höchsten Gesamtfleischkonsum aufwiesen – ihre Ernährung umfasste sowohl weißes als auch rotes Fleisch. Interessanterweise könnte ein moderater Konsum von rotem Fleisch (etwa 150–250 Gramm pro Woche) laut den Autoren sogar eine schützende Wirkung haben. Wissenschaftler vermuten, dass die potenzielle Gefahr von Geflügel mit der Zubereitungsmethode zusammenhängt. Langes Garen bei hohen Temperaturen – beispielsweise Backen, Schmoren oder Grillen – fördert die Bildung mutagener Verbindungen.
Ähnliche Substanzen entstehen auch beim Frittieren von Steaks. Zudem erwies sich eine zuvor vorgeschlagene Methode zur teilweisen Reduzierung der Risiken von rotem Fleisch durch die Ergänzung der Ernährung mit Blattgemüse bei Hühnerfleisch als unwirksam. Die Autoren empfehlen daher, den Geflügelkonsum einzuschränken und die Proteinquellen, wie beispielsweise Fisch, zu diversifizieren. Sie stellten jedoch klar, dass ihnen keine vollständigen Informationen über die körperliche Aktivität der Teilnehmer vorlagen, was die Schlussfolgerungen beeinflusst haben könnte.
Es wurde außerdem bereits berichtet, dass Menschen, die regelmäßig Alkohol konsumieren, laut einigen Daten ein deutlich höheres Risiko für Schlaganfälle haben – um mehr als 100 %.