Für die meisten Menschen in Schweden bedeutet der Winter eisige Temperaturen, kurze Tage und enorme Heizkosten. Wenn die Kälte Einzug hält, schließen Familien die Fenster, drehen die Heizung auf und bereiten sich auf Monate voller Dunkelheit und Schnee vor.
Charles und Marie wählten einen völlig anderen Ansatz.
Anstatt gegen das skandinavische Klima anzukämpfen, beschlossen sie, es sich zunutze zu machen. Ihre Lösung klang fast unglaublich: Sie wollten eine riesige Glaskonstruktion um ihr gesamtes Haus herum errichten.
Heute steht ihr zweistöckiges Holzhaus im Inneren einer gigantischen, transparenten Hülle.
Ein Haus im Gewächshaus
Von innen wirkt das Haus ganz gewöhnlich. Es verfügt über gemütliche Zimmer, behagliche Möbel und eine typisch skandinavische Einrichtung.

Von außen hingegen sieht es außergewöhnlich aus. Das gesamte Gebäude ist von einer großen Glashülle aus robusten Paneelen umgeben.
Anfangs hielten die Nachbarn das Ganze für ein bloßes, exzentrisches Architekturprojekt. Doch in Wirklichkeit erfüllt die Konstruktion einen sehr praktischen Zweck.
Das Prinzip ähnelt dem eines Gewächshauses. Sonnenlicht dringt durch das Glas und erwärmt die Luft, den Boden sowie die Oberflächen rund um das Haus. Nach Sonnenuntergang verlangsamt die Hülle den Wärmeverlust.
Zudem schützt die Glashülle das Holzgebäude vor Schnee, Regen und eisigen Winden.
Sonnenlicht in Wärme verwandeln
Selbst im schwedischen Winter kann das vorhandene Sonnenlicht dazu beitragen, den Raum um das Haus herum zu erwärmen.
Nach Angaben der Familie benötigen sie nur gelegentlich eine zusätzliche Heizung. Anstatt sich voll und ganz auf herkömmliche Heizsysteme zu verlassen, nutzen sie die Glashülle als Wärmepuffer zwischen dem Haus und der eisigen Außenwelt.
Es gibt noch einen weiteren finanziellen Vorteil.
Da die Holzwände vor direkter Einwirkung von Regen und Schnee geschützt sind, treten weniger witterungsbedingte Schäden auf. Das kann weniger Reparaturen, selteneres Streichen und geringere Instandhaltungskosten bedeuten.
Das Projekt kostete Berichten zufolge rund 80.000 Euro, doch die Familie betrachtet es als langfristige Investition, die künftige Energie- und Wartungskosten senken soll.
Ein mediterranes Mikroklima in Schweden

Das Faszinierendste an dem Projekt ist der Garten.
Im Inneren der Glashülle können die Temperaturen deutlich höher liegen als im Freien. Dadurch entsteht ein besonderes Mikroklima, in dem die Familie Gemüse, Obst und andere Pflanzen anbauen kann, die einen schwedischen Winter normalerweise kaum überstehen würden.
Zudem lässt sich Regenwasser sammeln und für den Garten nutzen.
Im Sommer kann dieser Treibhauseffekt jedoch zu stark werden. Um eine Überhitzung zu vermeiden, lassen sich Teile der Glaskonstruktion öffnen; so kann frische Luft zirkulieren und überschüssige Wärme entweichen.
Was von der Straße aus wie ein riesiger Glaskasten wirkt, ist in Wahrheit ein ausgeklügeltes, umweltfreundliches System.
Charles und Marie haben nicht versucht, den schwedischen Winter zu bezwingen. Stattdessen schufen sie eine schützende Hülle um ihr Haus, die Sonnenlicht einfängt, vor rauer Witterung schützt und im Inneren für ein wärmeres Klima sorgt.